Der Charakter vieler Fotografen
29.12.2025
Warum viele Fotografen starke Charaktere sind – eine persönliche Beobachtung
Als Hobbyfotograf hatte ich im Laufe der Zeit Kontakt mit vielen anderen Fotografen. Bei SocialMedia, auf Fototouren oder in Gesprächen, die oft ganz selbstverständlich über die Fotografie hinausgingen. Und genau dort ist mir etwas aufgefallen, das sich unabhängig vom fotografischen Stil erstaunlich oft wiederholt.
Viele Fotografen sind nicht nur in ihrer Bildsprache sehr klar – sondern auch als Persönlichkeiten. Sie haben feste Meinungen, klare Haltungen und ein starkes Bedürfnis, Dinge einzuordnen. Nicht nur, wenn es um Fotografie geht, sondern auch bei Themen, die damit eigentlich nichts zu tun haben.
Fotografie als Schule der Entscheidung
Fotografie ist ein permanenter Entscheidungsprozess. Motiv oder nicht, Moment oder warten, Farbe oder Schwarzweiß, minimalistisch oder komplex. Wer viel fotografiert, trainiert zwangsläufig seinen Blick – aber auch seine Urteilskraft. Diese Klarheit bleibt oft nicht auf die Kamera beschränkt. Sie prägt das Denken insgesamt. Viele Fotografen wissen ziemlich genau, was sie mögen, was sie ablehnen und wo sie stehen. Das wirkt nach außen manchmal kantig, manchmal anstrengend – ist aber vor allem konsequent.
Klarheit wird schnell zur Haltung
Was mir dabei auffällt: Diese innere Klarheit zeigt sich häufig auch in Diskussionen über ganz andere Themen. Technik, Kunst, Gesellschaft, Arbeitsweisen, Lebensentscheidungen. Gespräche mit Fotografen sind selten unverbindlich. Aus Meinung wird Haltung. Aus Haltung Überzeugung. Das ist nicht zwangsläufig negativ. Im Gegenteil: Es macht Gespräche oft interessant, manchmal sogar inspirierend. Gleichzeitig entsteht dabei schnell eine gewisse Unbeweglichkeit. Andere Sichtweisen werden nicht unbedingt abgelehnt, aber klar eingeordnet – oft sehr eindeutig.
Starke Persönlichkeiten ziehen sich gegenseitig an
Fotografie vereint Kreativität mit Kontrolle. Sie spricht Menschen an, die gestalten wollen, aber auch Verantwortung für Entscheidungen übernehmen. Das erklärt, warum viele Fotografen starke Charaktere sind – mit klaren Linien, Ecken und Kanten. In Gruppen verstärkt sich dieser Eindruck zusätzlich. Wer klare Positionen vertritt, ist präsenter. Wer abwägt oder offen bleibt, hält sich eher zurück. So entsteht leicht das Bild einer Szene voller sehr bestimmter Persönlichkeiten.
Meine Rolle dabei
Ich beobachte das mit Interesse, aber auch mit Abstand. Ich schätze Menschen mit Haltung. Gleichzeitig fühle ich mich dort wohler, wo Meinungen nicht verteidigt werden müssen wie Besitzstände. Für mich ist Fotografie ein persönlicher Ausdruck – kein Regelwerk. Und genau so gehe ich auch mit den Menschen um, die sie ausüben. Ich muss nicht alles teilen, um etwas respektieren zu können.