Likes, Experimente und der leise Vergleich

26.02.2026
„Fotografiere für dich selbst.“ Das ist ein guter Satz. Ehrlich. Aber er wird kompliziert in dem Moment, in dem man seine Bilder zeigt. Denn sobald ein Foto auf Instagram online ist, passiert etwas völlig Normales: Man schaut nach. Man vergleicht. Man rechnet vielleicht sogar.

Wie viele Leute haben es gesehen?
Wie viele davon haben geliked?
War das jetzt „gut“ – oder eher nicht?

Und nein, das ist keine Eitelkeit. Das ist der Wunsch nach Orientierung.

Likes sind Feedback – aber nicht die ganze Geschichte


Ein Like ist erstmal nur: „Das passt für mich gerade.“ Nicht mehr. Nicht weniger. Likes messen vor allem Resonanz innerhalb eines bestehenden Publikums. Und dieses Publikum ist nicht neutral. Die meisten Leute folgen dir, weil sie bestimmte Motive mögen, einen Stil wiedererkennen oder ein Gefühl erwarten. Wenn du das bestätigst, läuft es oft gut. Wenn du davon abweichst – weniger. Das sagt dann aber oft mehr über Erwartungen aus als über Qualität.

Wenn Bilder schlechter laufen, obwohl sie nicht schlechter sind


Es gibt viele Gründe, warum ein Bild weniger Likes bekommt, die nichts mit „gut oder schlecht“ zu tun haben:

- neues Motiv
- anderer Look
- andere Farben
- mehr Experiment, weniger Routine

Einfach etwas, das nicht in den bisherigen Feed passt. Für dich ist das Weiterentwicklung. Für dein Publikum ist es erstmal: anders. Und „anders“ wird auf Instagram selten sofort belohnt.

Der Vergleich wird problematisch, wenn er persönlich wird


Spätestens hier passiert etwas Gefährliches: Man beginnt, Zahlen zu interpretieren. „Hier liked jede zweite Person.“ „Hier nur jede vierte.“ Und plötzlich wird aus Statistik Bedeutung: „Also war das Bild weniger wert.“ Dabei ist es oft nur: „Das war nicht das, was man von mir erwartet hat.“ Das fühlt sich gleich an – ist es aber nicht.

Instagram belohnt Anschlussfähigkeit, nicht Entwicklung


Instagram liebt:

- Wiedererkennbarkeit
- Konsistenz
- schnelle Einordnung

Fotografische Entwicklung braucht:

- Abweichung
- Ausprobieren
- gelegentliches Danebenliegen

Das ist kein Widerspruch – aber ein Spannungsfeld. Wenn du alles mit der gleichen Kennzahl misst, verlierst du entweder deine Neugier oder deine Gelassenheit.

Zwei Rollen, die jedes Bild spielen kann


Ein hilfreicher Gedanke: Nicht jedes Bild hat die gleiche Aufgabe. Es gibt:

Feed-Bilder – sie bestätigen Erwartungen

Entwicklungs-Bilder – sie erweitern sie

Beide sind wichtig. Aber sie werden auf Instagram unterschiedlich gelesen. Wenn du ein Entwicklungs-Bild postest und erwartest Feed-Reaktionen, entsteht Frust – ganz automatisch.

Likes beobachten, aber nicht überbewerten


Es geht nicht darum, Likes zu ignorieren. Das klappt für die wenigsten. Aber es hilft, sie anders einzuordnen:

- als Hinweis, nicht als Urteil
- als Momentaufnahme, nicht als Richtung
- als Feedback des jetzigen Publikums, nicht als objektive Wahrheit

Manchmal heißt ein schwächeres Ergebnis einfach:
„Das Bild ist mir einen Schritt voraus.“ Oder: „Das Publikum ist (noch) nicht da.“

Der leise, ehrliche Schluss


Viele merken erst später: Die Bilder, die am meisten Entwicklung gebracht haben, waren oft nicht die mit den besten Zahlen. Und viele Bilder, die damals gut liefen, sind heute vor allem… okay. Instagram kann dir sagen, was gerade gut ankommt. Aber nicht, was für dich langfristig richtig ist.

Der Trick ist nicht, Likes abzulehnen. Sondern ihnen nicht zu erlauben, deinen eigenen Blick zu ersetzen. Manche Bilder sind für dein jetziges Publikum. Andere für dein zukünftiges Ich.
Und beides darf existieren.